Yamaha Tracer 9 GT+ ein Auto auf zwei Rädern

Ich wusste, dass viel auf mich zukommen würde, als ich die Yamaha Tracer 9 GT Plus bei der Hostettler Moto AG in Sursee abholte. Doch als mir alle Funktionen erklärt wurden, war ich froh, dass ich einen Notizblock dabeihatte. Ich hatte ein modernes Auto auf zwei Rädern vor mir. Keyless, Distanzsensor, Schaltautomat, Kurvenlicht, adaptiver Tempomat und vieles mehr sollen für eine komfortable und sichere Fahrt sorgen. Ob das tatsächlich so ist, erfährst du in diesem Testbericht.

Bei meiner letzten Testfahrt mit der Yamaha Ténéré 700 versuchte ich zum ersten Mal, über den Grimsel und den Sustenpass zu fahren, allerdings ohne Erfolg. Beide Pässe waren noch geschlossen. Nun, rund zwei Wochen später, war ich mir sicher, dass sie geöffnet sind. Also machte ich mich von Sursee in Richtung Brünig auf den Weg. Schon bald erschienen die Schilder mit den Informationen zu den Alpenpässen. Wieder war der Sustenpass geschlossen, doch der Grimsel war offen, und ich fuhr voller Vorfreude in Richtung Grimsel.

Je weiter ich hochkomme, desto frischer wird es. Ich muss aber nicht frieren, denn die Yamaha Tracer GT 9+ hat eine dreistuffige Griffheizung. Auf der Passhöhe angekommen fühlte ich mich wie am Nordkapp, überall Nebel und im See schwammen noch Eisblöcke. Es war schon eins und ich entschied mich in einem der Restaurants einzukehren. Ich kam rein, grüsste auf Schweizer Deutsch und fragte ob ich etwas essen könne. «English please» bekam ich als Antwort. «We are in Switzerland» gab ich zurück. Und sie erklärte mir, dass das wohl Stimme und dass man in dieser Schweiz kein Personal mehr findet die diesen Job machen wollen. Ich wurde nachdenklich und bestellte mein Mittagessen, « a Älplermagrone please».

Kaum war ich wieder auf dem Motorrad, begann es zu regnen. Doch auch das ist mit der Yamaha Tracer 9 GT Plus kein Problem. Durch den breiten Vorderbau bleiben die Beine lange trocken, und für den Oberkörper lässt sich die Windschutzscheibe während der Fahrt elektronisch nach oben verstellen. Trotz mehrstündigem leichtem Regen wurden praktisch nur meine Arme nass.

Die Passtrasse war bei Regen kein reines Vergnügen, und die Kurven erforderten etwas Konzentration. Dank des Schaltautomaten konnte ich mich aber bei jeder Kurve ganz aufs Fahren konzentrieren. Das System erkennt, wenn man vor einer Kurve abbremst, und schaltet automatisch zurück. Gibt man beim Herausfahren aus der Kurve kräftig Gas, schaltet es später, damit man optimal beschleunigen kann. In diesem Modus kann zwischen D und D Plus, der etwas sportlicheren Einstellung, gewählt werden. Während des Regens fuhr ich also mit dem Automaten und genoss die Fahrt trotzdem.

Weiter ging es über den Furka Pass. Trotz Regen und Wolken genoss ich die Landschaft. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie schön die Schweiz ist. Ich fragte mich, warum ich immer so weit weg will, dabei gibt es hier noch so viele unentdeckte Ecken.

Bei Göschen fuhr ich auf die Autobahn, da mich der Regen nun doch langsam nervte. Nun schaltete ich den adaptiven Tempomat ein. Das bedeutet, die Yamaha Tracer 9 GT Plus fährt die eingestellte Geschwindigkeit. Kommt jedoch ein langsameres Fahrzeug vor mir, bremst sie ab, bis der eingestellte Abstand erreicht ist. Verschwindet das langsamere Fahrzeug oder überhole ich, beschleunigt die Yamaha Tracer 9 GT Plus automatisch auf die eingestellte Geschwindigkeit. Beim Überholen wird der Fahrer zusätzlich von einer Lampe im Rückspiegel, dem Totwinkelassistenten, unterstützt. Fährt man in einen Stau und nutzt den Schaltautomaten, schaltet das Getriebe automatisch herunter. Der adaptive Tempomat unterstützt bis 25 Kilometer pro Stunde. Fällt die Geschwindigkeit darunter, muss man wieder selbst schalten und steuern.

So verging mein erster Testtag. Der zweite Testtag war der Pfingstmontag. Es herrschte viel Verkehr mit zahlreichen Autos und Fahrrädern. Ich entschied mich für die kleinen Strassen meiner Heimat, denn dort ist meist nicht viel los und ich hatte recht. Damit ich die Strecke auch voll und ganz geniessen konnte, schaltete ich den Schaltautomaten ab und fuhr mit den zwei Schalthebeln an der linken Hand. Einer zum Runterschalten und einer zum Hochschalten. Das machte richtig Spass. Im manuellen Modus kann zwischen den Fahrmodi Sport, Street und Rain gewählt werden. Am interessantesten für mich war die Kombination. Ich schaltete den Schaltautomaten ein, schaltete aber manuell. So konnte ich selbst entscheiden, wann ich schalten will und wenn ich es einmal vergaß, übernahm das Motorrad das für mich.

Es war ein cooler Test mit einem für mich sehr futuristischen Motorrad. Ich würde es nicht kaufen, denn es hat für meinen Geschmack zu wenig Emotionen, es macht mich faul, und das möchte ich eigentlich nicht auf dem Motorrad. Für jemanden, der lange Strecken fährt, vielleicht zu zweit oder mit Gepäck, und mehr auf die inneren Werte als auf die äusseren achtet, kann die Yamaha Tracer 9 GT Plus ein Volltreffer sein.

Hier noch einen kleinen Überblick zu den technischen Daten:

Bezeichnung Wert
Motor 890 ccm 3Zylinder
Leistung 87.5 kW/ 119 Ps
Drehmoment 93 Nm
Gewicht fahrfertig 231 kg
Verbrauch 5l/ 100 km
Preis 18990 CHF

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