Dass ich sehr gute Freunde habe, ist kein Thema. Dass ihre Geburtstagsgeschenke unschlagbar sind, auch. So kam es, dass ich vor zwei oder drei Jahren, es ist nicht mehr ganz klar, wann es war, ein Motorradwochenende erhielt.
Ja, dieses Geburtstagsgeschenk lag schon ein paar Jahre zurück und ich hatte nicht mehr wirklich daran gedacht. Kurz vor der Fasnacht 2026 kam Thomi zu mir und erklärte mir, ich solle mir das erste Juliwochenende freihalten. Wohin es ging, verriet er mir nicht. Ich konnte jedoch den Arsch nicht ruhig halten und fand bald heraus, wohin es gehen würde: an die GSW, die German Stuntweek. Die Vorfreude war gross. Wir kannten dieses Event von Youtube, unter anderem von Videos von den Hamburg Wheelie Kids. Sie waren vielversprechend. Was die German Stuntweek genau ist, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.
Da wir nichts mit Stunt am Hut haben und nur als Zuschauer dorthin gingen, liessen wir unsere Motorräder zuhause. Doch aus vergangenen Motorradevents weiss ich, es kitzelt dann doch in den Fingern und man will noch etwas selber fahren. Hier kommt Rosinelli ins Spiel. Rosinelli ist ein Pocketbike mit Seitenwagen, perfekt für ein solches Event. Wie ich zu Rosinelli kam, erfahrt ihr in einem zukünftigen Blogbeitrag.
Am Donnerstagabend wurde dann Rosinelli eingeladen und am Freitag machten wir uns auf den langen Weg zum Flughafen in Allstedt. 670 km und 8 Stunden Fahrt lagen vor uns. Wer ist eigentlich «uns»? Das sind Thomi, alter Freund und Rennstreckensau, Louis, er macht beim Blog mit, ja, dieser Louis, und ist ebenfalls eine Rennstreckensau, und Fring, Rennstreckensau, alter Freund und mit ihm war ich schon einmal auf der Isle of Man. Die Strecke fühlte sich nicht so lange an. Thomi opferte sich als Fahrer und es gab eine Aperotasche zwischen dem Sitz von Louis und mir.
In Allstedt auf dem Flugplatz angekommen, fühlte es sich ähnlich an wie Anfang dieses Jahres in Le Mans. Endlich sind wir hier, an einem Ort, den wir bisher nur von Bildern kannten. Direkt am Flugfeld standen die Zelte und auf dem Flugfeld war schon reges Treiben. Motorräder fuhren auf dem Hinterrad, machten Burnouts und Stunts. Genau das ist die German Stuntweek. Kurz gesagt wird die ganze Woche gefahren und am Samstag gibt es Contests.
Wir stellten unseren Bus irgendwo zwischen die anderen Camper und begannen, das Camp aufzubauen, also ein Zelt zum Schlafen und eines zum Sitzen. Ihr könnt dreimal raten, wer den Stuhl vergessen hat. Zum Glück habe ich Rosinelli nicht vergessen. Mit Rosinelli ging es dann auch schon auf die erste Testfahrt. Kaum am Flugfeld angekommen, durfte ich zurückschieben, ich hatte keinen Helm an. Etwas später erfuhren wir dann noch, dass wir eigentlich eine Fahrerlaubnis benötigen. Ich setzte mich gleich in ein viel zu lautes Fahrzeug des Veranstalters und holte mir diese Erlaubnis. Thomi sollte mit Helm Rosinelli zurück zum Camp schieben. Dass das keine Freude macht, ist ja klar. Deshalb setzte sich Thomi auf Rosinelli und fuhr die letzten Meter. Leider verpasste er unser Camp und fuhr in die nächste Kontrolle. Da er kein Geld dabei hatte, musste er Rosinelli stehen lassen und zum Camp laufen. Da er wieder in die falsche Richtung lief, wurde die Kontrolleurin etwas nervös, als er zum zweiten Mal, nun in die andere Richtung, an ihr vorbeilief. Nun hatte ich zwar die Erlaubnis, mit Rosinelli herumzukurven, aber leider nur ich. Das blieb auch so, weil eine weitere Erlaubnis zu teuer gewesen wäre.
So waren wir zu Fuss unterwegs und genossen das Spektakel auf dem Flugfeld, das nur wenige Meter von unserem Camp entfernt lag. Es war einfach herrlich. Es fuhren Motorräder hoch und runter, meist auf dem Hinterrad, oft auch zu zweit. Dazwischen gab es Burnouts.
Es gab verschiedene Bereiche, die lange Strecke zum Wheelies machen, den Bereich für Anfänger und dann noch den Bereich für die Profis, die auch an den Wettkämpfen teilnahmen. Dort gab es den ganzen Tag bis 22 Uhr Rambazamba. Es war der Himmel auf Erden.
Leider ging der Tank von Rosinelli kaputt und ich war nun definitiv zu Fuss unterwegs. Das sollte sich aber noch ändern. Ein Nachbarcamper erzählte uns, dass wir abends unbedingt auf dem Flugfeld sein sollten. Wieso? Um 22 Uhr ist Feierabend, dann darf kein Motorrad mehr fahren. Die letzten Stunden davor eskalieren jedoch komplett. Es werden Burnouts gemacht, Wheelies gefahren und vor allem Burnouts gemacht. Es war cool, einfach unter Gleichgesinnten zu sein, aber ich vermisste Rosinelli.
Am nächsten Morgen kam ein Campingnachbar und fragte, was mit Rosinelli sei. Ich erklärte ihm, dass der Tank undicht sei. Er meinte, er gehe sowieso schnell nach Hause und habe eventuell noch einen herumliegen. Zack, eine halbe Stunde später konnte ich wieder mit Rosinelli auf die Strecke und das tat ich dann auch.
Doch ich kam nicht wirklich zum Fahren, denn immer wieder kam jemand und fragte, ob er Rosinelli fahren dürfe. So kam es, dass ich wieder auf eine Supermoto aufpasste und wartete, bis Rosinelli zurückkam. Währenddessen kam einer, den ich vom Camping kannte, und fragte mich, ob ich wüsste, wem dieses Motorrad gehöre. Ich wusste es nicht, er aber schon. Es war Oida, ein Motorradinfluencer mit 330 Tausend Followern. Der fuhr nun mit meiner Rosinelli. Doch die Freude erhielt bald einen Dämpfer. Er kam zurück und Rosinelli nahm das Gas nicht mehr richtig an. Peinlich. Er war so nett und schob mich von der Strecke.
Das hiess für mich ein weiteres Mal zurück ins Camp an den Schraubenschlüssel. Mittlerweile war es wieder etwa 19 Uhr und zum letzten Mal würde es nun auf dem Flugfeld eskalieren. Daher war ich besonders motiviert und brachte Rosinelli wieder zum Laufen. Ich fuhr auf direktem Weg zum Flugfeld, wo Louis, Thomi und Fring schon warteten. Ich freute mich sehr, mit Rosinelli dabei zu sein. Und ich konnte mittlerweile sogar einen Stunt mit Rosinelli fahren. Ich konnte statt auf drei auf zwei Rädern fahren und das tat ich ausgiebig. Ich war auf Wolke sieben. Läck, war das geil zwischen all den Supermotos. Den Abend, oder besser gesagt die Nacht, liessen wir dann an der Aftershowparty ausklingen.
Ein sehr cooles Event. Danke, Jungs!
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