Ein sonniger Sonntag, die ganze Familie ist zusammen. Das klingt schon ziemlich gut, aber es geht noch besser. Ich, Louis, war am 5. Juli in Boécourt. Dort findet jedes Jahr ein Bergrennen statt. Zeitgleich findet auch immer das Dorffest statt. Wir waren um halb zwölf dort und ich hatte eigentlich erwartet, eine klassische Bratwurst zum Mittagessen zu bekommen. Der Fussballclub hatte aber Roastbeef mit Pommes zu Auswahl, das war eine vorzügliche Stärkung. Aber genug jetzt vom Essen, wir sind ja ein Motorradblog und keine Gourmetzeitschrift.
Entweder schaut man sich das Rennen unten am Start an oder man fährt mit dem Shuttlebus hoch zu einer Kurvenkombination. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Mit etwas Verspätung begann das Rennen. Es startete mit der Veteranenklasse. Ich freute mich, als ich das erste Motorrad losfahren hörte. Es war eine Triumph. Leider quietschte es, als es auf unsere Kurve zufuhr. Aufgrund eines Motorschadens blockierte das Hinterrad. Schade, aber es ging weiter. Es gibt verschiedene Klassen, von Veteranen bis zu neuen Maschinen. Besonders freute ich mich über die Seitenwagen. Es sieht einfach spektakulär aus, wie sich die Beifahrer aus dem Wagen werfen und in die Kurve legen.
Das Rennen ist sehr vielseitig und dadurch Motorradtechnisch auch sehr interessant. Von Veteranen zu Zweitakt Rennmotorräder über 600ccm zu 1000ccm ist alles dabei. Soundtechnisch lässt das natürlich auch nichts zu wünschen übrig. Besonders beeindruckt war ich von einem pink-grünen Seitenwagen. Nicht wegen der Farbe, sondern wegen des Tons. Ein älterer Herr, der neben mir sass, erklärte mir, dass dies eine König sei. Das ist ein wassergekühlter 500-cm³-Vierzylinder-Zweitakt-Boxermotor. Diese Motoren wurden ursprünglich für Rennboote gebaut. Aber dank ihrer Leistung und ihres geringen Gewichts eigneten sie sich sehr gut für die Seitenwagen. Der Sound ist brachial, ein Wahnsinn, laut, Zweitakt auf Steroide. Ich weiss nicht, wie man das besser erklärt, um es einfach zu sagen Saugeil. Ein Nachteil ist, dass der Motor sehr empfindlich und aufwändig ist. Wenn aber alles richtig gemacht wurde, läuft er wahnsinnig gut.
Noch ein paar Fakten zum Rennen:
- Die Strecke erstreckt sich über rund drei Kilometer und führt mit einer Steigung von vier bis zehn Prozent von Boécourt hinauf nach La Caquerelle.
- Die Ursprünge der Veranstaltung reichen weit zurück. Nach Unterbrechungen wurde das Bergrennen im Jahr 1984 von einer Gruppe leidenschaftlicher Motorsportler und dem Boécourt Moto Racing Team ins Leben gerufen, welches bis heute der Veranstalter des Rennens ist.
- Das Rennen zieht jährlich rund 160 bis 200 Teilnehmer an und ist heute fester Bestandteil der Schweizer Bergrennmeisterschaft.
- Der aktuelle absolute Streckenrekord von 1:17,94 Minuten wurde mit einer Honda CBR 1000 RR aufgestellt.
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