Horst Saiger der Film

Vor zwei Wochen erhielt ich eine Whatsapp Nachricht von einem Motorradkollegen. 2014 war ich mit ihm am Manx GP und an der Classic TT auf der isle of man. Er fragte mich ob ich am Freitag dem 18.3.22 schon etwas vor hätte? Es gäbe eine Überraschung für seinen Vater, es hätte mit der isle of man zu tun. Ich hatte nichts vor und war schon etwas „gwunderig“. Gestern war es so weit, Ich hatte eine leise Vorahnung wer an dieser Überraschung teilnehmen wird. Als wir in das Restaurant rein kamen fiel mir gleich ein junger Mann auf den ich aus unzähligen Youtubevideos und Dokus kenne, es war Horst Saigers Sohn. Boah hab ich mich gefreut, das war einfach nur geil! Für die Unwissenden, Horst Saiger gehört zu den besten deutschsprachigen Roadracer!

Ich verfolge seine Karriere seit er mit seinen coolen Youtubevideos, von den Rennstrecken dieser Welt, begonnen hatte. Das ist einer von uns, der es durchgezogen hat. Und nun sass ich in diesem Raum und schaue den Film über seine Rennkarriere und er, Horst Saiger, steht daneben. Ich war so aufgeregt und hatte zittrige Hände. Da half nicht mal der gute Apero.

Nach dem sehr leckeren Apero begann dann die Vorführung seines Filmes über seine Rennkarriere. Es war erst die zweite Vorführung! Nach seinem groben Unfall am Redbull Ring im Juli 2020, beendete Horst Saiger seine Rennkarriere. Dank Corona hatte er nun genügend Zeit seine Karriere auf dem Motorrad in einem Film zusammenzufassen.

Das ganze beginnt mit einem Foto auf dem Horst in jungen Jahren auf einem Kinderfahrrad zu sehen ist. So persönlich und ehrlich wie dieses Bild war, war dann auch der ganze Film. Er erzählte von seinem ersten Rennen 1992 am Redbull Ring, damals hiess er noch Österreichring. Wie sie das erste 24 Stundenrennen fuhren. Dass sie eigentlich Erfahrung hatten bis in die Morgenstunden wach zu sein, dass hat dann aber schlussendlich auf dem Motorrad nicht unbedingt geholfen. Wie sie anfangs die Motorräder vorbereiteten, nicht immer nur erfolgreich. Über seine Erfolge bei der Schweizermeisterschaft und in der Langstreckenweltmeisterschaft mit dem Team Bolliger. Weiter ging es mit seinen ersten Erfahrungen im Roadracing auf der NW200, in Macau oder in Terlicko. Der Film ist so aufgebaut, dass Rennszenen und viele Bilder aus seiner Rennsportkarriere zu sehen sind. Kommentiert wird es von Horst Saiger und seinen Wegbegleitern. Nach einer knappen Stunde endete der erste Teil damit, dass Horst vor einem grossen Schritt stand, er musste seiner Frau mitteilen dass er auf der isle of man, an der Tourist Trophy starten will. Bevor es aber zum Nachtessen ging, dankte Horst Saiger noch seiner Mutter.

Ich nutzte die Pause um zu fragen ob ich über diesen Event hier auf diesem Blog schreiben darf. Denn es war erst die zweite Vorstellung des Films. Seine Antwort war so direkt wie Ehrlich:“Schreib was du willst, das wichtigste ist, dass du dich selbst nicht zu ernst nimmst.“ Ok, ich hoffe dieser Versuch gelingt mir hiermit.

Der zweite Teil begann mit der aufgestellten Ehefrau, Tamara, die über die isle of man, sie nennt sie magic island, schwärmt. Horst konnte sie überzeugen. Und so ging es an den Start des härtetsten Motorradrennen. Horst fuhr dort in allen Klassen. Er ging sogar mit einem Schweizer Motorrad, einer Egli Vincent, bei der classic TT an den Start. Was mich ganz besonders beeindruckt hat, jedes Rennen, jeder Transport, all das Material, das organisierte Horst jeweils alles selber. Er erzählte, dass er das ganze erst dann richtig geniessen konnte wenn er auf der Rennmaschine sass. Horst Saiger erzählte nicht nur von Motorrädern und dem Asphalt darunter sondern auch von den Menschen an den Rennstrecken. Zum Beispiel von einem Rennen in Neuseeland. Die Strecke führte an einem Friedhof vorbei. Die Menschen sassen dann zwischen den Grabsteinen und verfolgten bei gegrilltem das Renngeschehen. In Terlicko wurde nach dem Rennen am Streckenrand Horst Saiger einen Schnaps offeriert.

Der Film zeigt aber nicht nur die schönen Seiten. Es sind immer wieder Bilder aus dem Spital zu sehen. Er nennt sich einen guten Kunden des Kantonsspital St. Gallen. Ein Bild hat mich sehr beeindruckt, er liegt auf einem Krankenbett, der Hals in einer Schiene und er wird beatmet. Seine Frau Tamara fragt, wie gehts? Und er meint einfach „alles super“. Er stieg immer wieder auf das Motorrad und fuhr weiter.

Dieser Film ermöglicht es die Faszination und Motivation die dieser Mensch hat, zu verstehen, zu erleben und geniessen. Und dies unabhängig wie viel Ahnung man von Motorräder und Motorradrennen hat.

Für mich war es unglaublich. Ich kannte ihn von Youtube, hatte einige seiner DVDs gesehen. Die DVDs lösten bei mir schon sehr viele Emotionen aus, es fühlte sich an als wäre man dabei gewesen. Der Film über seiner Karriere ist nun noch eine Klasse höher. Ich habe jetzt noch ein Dauergrinsen, am Tag danach. Horst Saiger erzählt ehrlich, direkt und völlig unkompliziert. Er erzählt was er alles erreicht hat aber auch was in die Hosen ging und das macht das ganze sehr sympathisch. Wenn ich den Film in einem Satz beschreiben müsst dann würde der wohl wie folgt lauten:“Du kannst alles schaffen, bleib dran und mache es mit Leidenschaft!“.




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