Europatour#19 - Die Vorurteile vor einer Reise



Dir wird es nach zwei Wochen langweilig
Mir wurde es eigentlich nie langweilig wenn ich alleine war. Ich konnte den ganzen Tag tun und lassen was ich wollte. Nach einem langen Tag auf dem Motorrad, baute ich mein Zelt auf und kochte etwas. Danach war ich so müde dass ich jeweils innerhalb von Minuten eingeschlafen bin. Falls nicht habe ich noch in mein Tagebuch geschrieben. Man ist jeden Tag an einem neuen Ort, neue Leute, neue Herausforderungen, da wird es dir nie langweilig.



Es wird dir sicher etwas geklaut
Diese Angst hatte ich anfangs auch, speziell im Flüchtlingslager habe ich immer wieder meine Hosentasche nach dem Portemonnaie abgesucht. Ehrlich, es ist krank! Mein Motorrad stand in verschiedensten Städten zwischen Nordkapp und Sardinien mit gesamten Gepäck auf der offenen Strasse und unbeaufsichtigt. In Stockholm verwendete ich noch dieses alberne Bremsscheibenschloss, jedoch das erste und das letzte mal. Sicher hatte ich auch Glück aber hat man ein bisschen mehr Vertrauen in die Menschheit, dann geht es ganz gut. Natürlich kommt es auch daruaf wie man sich benimmt und gibt.



Die Leute die du kennen lernst wirst du nie mehr sehen
Es ist sicher ein Vorteil, dass ich nur eine Europatour gemacht habe, und die meisten Freundschaften, die ich geschlossen habe, nicht weiter wie 2000 km entfernt von mir wohnen. Ich habe nun seit meiner Reise schon 4 Bekanntschaften wieder getroffen. In Calais war ich an Weihnachten nochmals, in der Toscana an Ostern und in Hessen bei Josh und Joana war ein Weltenbummlertreffen im Mai. In Sardinien durfte ich bei einem Schweizer Paar Strom klauen. Die habe ich per Zufall an einem frühen(zum Glück) Freitag Abend in der Stadt getroffen. Mit dem Australier, mit dem ich in Stockholm beim ölen war, bin ich per Facebook in Kontakt. Aber irgendwann werde ich es auch nach Australien schaffen, da habe ich keine Angst.



Es wird sich nur Smalltalk ergeben, mehr nicht
Ich habe mich riesig gefreut unterwegs andere Menschen kennen zu lernen und etwas über die zu erfahren. Dann hiess es immer, ja wenn du so unterwegs bist, dann gibt es höchsten Smalltak und keine tiefgründige Diskussionen. Falsch!! War ich mal mehr als ein Tag mit anderen Menschen unterwegs so entstanden unterschiedlichste, lehrreiche, interessante und tolle Gespräche. Zum Beispiel mit Josh und Joana aus Wehrda, mit Joey aus Dortmund, mit meinem Grossonkel aus Schweden, mit dem Australier in Stockholm, mit Ingunn die Besitzerin der Farm in Oslo, mit den Menschen in Calais im Flüchtlingslager, mit französisch sprechenden Schweizern auf Korsika oder mit dem Vater meines Kollegen in Italien. Und das hat richtig gut getan!



Irgendwann wir dir das Motorrad fahren langweilig
Da muss ich eigentlich nichts dazu schreiben. Als ich gestartet war, hatte ich diese Bedenken auch. Natürlich gab es Tage an welchen ich mich aufs Motorrad zwingen musste, zum Beispiel in Norwegen als es eine Woche durch geregnet hatte. Aber ich fand die ganzen drei Monate immer wieder Freude am Motorrad fahren und habe heute noch Freude daran.



Das ist schlecht für deinen Lebenslauf
Erstens es waren nur drei Monate. Da ich nach den Ferien noch keinen festen Job hatte, habe ich nun ein paar Bewerbungsgespräche hinter mir. Diese „Lücke“ von drei Monaten hat bei jedem Gespräch das Interesse geweckt, das stimmt. Aber immer nur positiv. Es hat die Gespräche jeweils sogar aufgelockert. Und wenn ich es richtig betrachte habe ich nun auch dank dieser Reise, beruflich den für mich richtigen Weg eingeschlagen. Und ja ich habe nun wieder etwas gefunden.



Das Heimweh wird dich frühzeitig nach Hause bringen
Ja es gab Tage da war es richtig scheisse, und ich hatte mir überlegt abzubrechen. In Sardinien fuhr ich einmal in Richtung Olbia um da die Fähre nach Italien, nach Hause, zu nehmen. Ich konnte mich dann doch zusammenreissen und fuhr zurück nach Santa Teresa Gallura und nahm die Fähre nach Korsika, wo ich eine tolle Zeit hatte. Dieser Spruch nach jedem Tal kommt ein Berg(oder so), der stimmt, das kann ich nur unterschreiben. Ich glaube so oft wie ich Augenpisse im Gesicht hatte, weil ich am Arsch war, so oft hatte ich Augenpisse im Gesicht weil ich so glücklich war.



Ich hoffe, ich kann mit diesem Bericht anderen helfen, die auch so viele „gute“ Tipps und Vorurteile hören. Einfach machen, dann kommt es gut!

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