Ein paar Fragen an einen Weltmeister

Die World SBK Saison startet etwas später wie die MotoGP Saison, erst in zwei Wochen. Und somit auch der Titelverteidigungskampf von Dominique Aegerter. Aegerter fährt (noch) nicht in der Superbikeklasse mit einer 1000er Maschine, sondern in der Supersportklasse auf einem 600ccm grossen Motorrad, auf einer R6 beim Team Ten Kate. Zusätzlich fuhr er letztes Jahr noch in der MotoE im Team Intact GP. Dort wurde er Vizeweltmeister, nach dem er 2020 auf den 3. Schlussrang fuhr. Auch dieses Jahr wird er in der MotoE an den Start gehen und um den Weltmeistertitel kämpfen.

Das Netz konnte mir nicht alle Fragen beantworten und so schrieb ich Dominique Aegerter direkt an. Seine Antworten könnt ihr nun in diesem Blogbeitrag lesen, viel Spass!!

Die Bilder sind von Graeme Brown und KF Glaenzel.

Kannst du die SSP600 für den Otto Normalverbrauch erklären? Wo ist der unterschied zur Moto2?
Der Unterschied zwischen der SSP600 und der Moto2 ist folgender: In der SSP600 fahr ich eine Seriennahe Töff den man hier für die Strasse kaufen kann, eine Yamaha R6. Sie hat 600ccm, 4 Zylinder 162 kg, mit 150 Ps(getunt, hehe). Die Serienmaschine wird dann umgerüstet auf die Rennstrecke. Das heisst Lichter und Blinker werden demontiert, es gibt eine Rennverschalung und es gibt einen anderer Auspuff, einen neuen Lenker, andere Fussraster und andere Pneus. Danach wird der Motor etwas getunt. Und das ist schon die Rennmaschine, die ich dann fahre in der Supersportklasse. Die Moto2-Maschiene ist eigentlich ein Prototyp. Man erhält den Motor vom Veranstalter, und danach muss man das Chassis um den Motor herum bauen. Wir hatten einen Triumph Motor mit 3 Zylindern bei 765 Kubik. 140 kg mit 140 Ps. Diese Töff's kann man nicht auf der Strasse fahren, die kommen vom Werk, nur für die Rennstrecke. Das ist so der grösste Unterschied. Es kommen dann gewisse Detail dazu, in der SSP600 darf man zum Beispiel nur die Federung verstellen, wobei man beim Moto2 Motorrad die ganze Geometrie verstellen darf.

Wieso kommst du mit der Yamaha R6 besser klar wie mit der Moto2-Maschine??
Ich kam gerade von Anfang an gut klar mit der R6, ich hatte gutes Vertrauen zum Töff, zu den Pneus aber auch gleich zum Team. Ich kam mit dem Moto2 Töff eigentlich auch ganz gut klar, von 2010 bis 2017. Danach als ich im Kieferteam oder im MV Agustateam fuhr, stimmte das Team rundherum nicht mehr richtig und das Budget war knapp und so konnte ich in meinen zwei letzten Jahren meine Leistung in der Moto2 nicht richtig zeigen.

Wie war das Jahr 2021, in dem du in zwei Klassen gefahren bist? Was war das Highlight?
Dieses Jahr war sicher sehr hart. Wir hatten am Anfang des Jahres gleich fünf Rennen hinter einander, das war sicher anstrengend. Auch der Wechsel zwischen MotoE und Supersport war sicher riesig. Durch die Unterstützung meiner Teams, Ten Kate und Intact GP, meiner Familie, meiner Sponsoren und durch die Motivation meiner guten Resultate, viel es mir leichter.

Highlight gab es viele. Als ich in Navarra oder Assen zwei Siege holte, 2 schnellste Runden plus Pole Position. Oder mein erster Sieg in Estoril in der Supersport. Ja da kommt vieles zusammen. Ich holte 20 Podien in Beiden Klassen und 10 Siege. Als ich in Argentinien drei Rennen vor Schluss, über die Ziellinie fuhr, das Rennen gewann und somit Weltmeister wurde, war dies natürlich ein riesen Highlight.

Was hat dir den WM-Titel in der MotoE gekostet?
Diese Frage ist etwas schwierig, sicher enttäuschend, ich gab da alles, ich hätte das Rennen gewonnen gehabt, da Torres gestürzt war hätte ich auch die Meisterschaft gewonnen. Ich hatte dies schon 1000 Mal gesagt, ich habe alles gegeben, ich wollte das Rennen gewinnen, er hätte nicht gewinnen müssen. Torres hätte nur zweiter werden müssen und hätte den Titel gewonnen. Er nahm jedoch den Kampf auf mit mir, und hat mich immer wieder überholt. Hat dann in dieser Kurve zu früh eingelenkt und ist mir ins Hinterrad gefahren und ist deshalb gestürzt. Danach weinte er, da er gemeint hat er hat jetzt alles verloren. Bald kam jedoch von der Rennleitung dass ich eine 38 Sekundenstrafe erhalten hatte, die ich nicht verstanden konnte. Ein paar Wochen Später gab es das gleiche Überholmanöver von Remy Gardner in der Moto2 und dieser hatte nur eine Long Lap Penalty. Ein Long Lap Penalty, ist eine Strafe in der man irgendwo auf der Strecke eine grössere Kurve fahren muss, kostet ca. 2Sekunden. Mit diesen 38 Sekunden hat es mir dann gerade nicht gereicht zum Weltmeistertitel.

Kann ein Weltmeister in der SSP 600 Klasse davon leben?
Der Supersportweltmeistertitel ist was was ich schon immer erreichen wollte, ich habe 25 Jahre lang daran gearbeitet. Ein riesen Dankeschön an all die die mich unterstützt haben bis dahin, Familie, Kollegen, Trainer, Physio, Team und Sponsoren. Finanziell ist es eigentlich krass, man denkt so als Weltmeister sollte man schon die paar Millionen verdienen. Dies ist leider bei uns im Motorsport nicht so. Ich kann sagen dass ich zu den guten Zeiten in der Moto2, 2013 und 2014, fast mehr verdient hatte als nun mit diesem Weltmeistertitel. Aber durch dass dass ich wenig Ausgaben und keine Stütze hatte, kann ich eigentlich gut leben mit dem Was ich von meinen persönlichen Sponsoren erhalte und mit den Prämien die ich durch die Saison hindurch gewonnen hatte.

Welche Strecke der „neuen“ Strecken aus der SSP Klasse, ist dein Favorit?
Es gab ein paar neue. Es war sicher cool vom Ten Kate Team dass sie sich die Mühe und das Geld investierten für die Tests im Sommer. Diese waren den Strecken die ich bis anhin noch nicht gefahren bin und somit noch nicht kannte. Das heisst wir waren in Navarra, in Magny-Cours, in Most und am Schluss waren wir noch in Argentinien und auf der ganz neuen Strecke in Lombok. Ich liebe es auf neuen Strecken zu fahren. Aber ich hatte alle neuen Strecken, mit ihren eigenen Charakteren, gern gefahren. Ich kann es kaum erwarten 2022 auf diesen Strecken zu fahren. Alle Strecken haben zu meinem Fahrstil gepasst und ich bin sehr gerne gefahren, von dem her habe ich keine Favoritenstrecke, von diesen 5 die ich neu gefahren bin. Klar Navarra ist etwas klein, man hat etwas oft den 1. Gang drin, ziemlich wellig aber auch diese Strecke hat ihren Reiz und ist einfach anders wie alle anderen Strecken, von dem her hatte ich fast keine Strecke auf der ich nicht gerne fuhr.

Startest du mit der 1 oder 77 in der kommenden Saison?
Starten werden ich mit der Nummer 77, dies ist mein Markenzeichen und meine Glückszahl. Es ist sehr schade dass in der Supersport nicht das eigene Design der Nummer verwendet werden darf. Jeder muss eine blaue Nummer mit dem selben Design haben. Dies finde ich veraltet und diese Regelung sollte geändert werden, so dass jeder seine Nummer in seiner Farbe und in seinem Design verwenden darf, so dass die Nummer zum Charakter des Fahrers passt.




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